Unterweisung in Kanshoji

Im Zen Sôtô wird die Unterweisung von Person zu Person weitergegeben.

In Kanshoji wird sie von Taiun Jean-Pierre Faure, gegeben, der die Übertragung des Dharmas von Dônin Minamizawa Roshi erhalten hat.

Selbst wenn die Lehre in jeder Epoche verändert wird, stützt sie sich auf die Unterweisung der Gründer und der Patriarchen. In Kanshoji wird die Unterweisung in den verschiedenen unten beschriebenen traditionellen Formen des Zen Sôtô gegeben (siehe auf Seite „Sôtô Zen Buddhismus“).

Alle Unterweisungen werden ins Englische übersetzt.

Kusen

Mündliche Unterweisung während Zazen

Das Kusen ist die mündliche Unterweisung, die vom Meister während des Zazen gegeben wird.

Es ist keine Literatur. Die Sätze sind einfach, kurz und direkt. Das Kusen wendet sich an das Unbewusste, an das Herz des Schülers.
Der Schüler soll nicht versuchen es mit dem Geist zu verstehen.

Das Feuer in unseren Köpfen löschen

Shakyamuni Buddha sagte bereits zu seiner Zeit: Die Welt steht in Flammen. Wir müssen das Feuer in unseren Köpfen löschen, die Flammen der Leidenschaften.

Im Jahr 2002 sagte ein Staatsoberhaupt auf einer Konferenz: Unser Haus brennt und wir suchen aber woanders.

Meister Deshimaru sagte uns: Ihr seid alle verrückt. Wir sind alle verrückt, aber ich bin etwas weniger verrückt.

Es ist also ein psychisches Problem. Wir sehen unseren Wahnsinn nicht. Alle denken: Der andere ist verrückt, aber ich nicht. Doch die Entscheidungen, die wir treffen, das Verhalten, das wir haben, sollten uns unseren Wahnsinn zeigen.

Ein Meister sagt zu seinem Schüler: Hörst du das Rauschen des Windes? Betrete den Weg auf diese Weise.

Das ist die Konzentration: wasche deinen Geist mit dem reinen Klang der Gegenwart. Von dort aus – mit einem offenen, klaren, reinen Geist -, aus der Konzentration kommt die Beobachtung. Nicht die wissenschaftliche Beobachtung. Es ist Beobachtung, ohne den Geist zu benutzen, ohne zu analysieren, ohne zu kommentieren, ohne zu interpretieren. Nur seine Fehlfunktionen sehen, allenfalls sie zu identifizieren. Zu sehen, dass wir Wesen der Leidenschaft sind und dass wir nicht zulassen können, dass die Leidenschaften alles Leben verschlingen. Löschen wir also das Feuer, das in unseren Köpfen brennt.

Wenn wir unseren Wahnsinn nicht sehen, ist es schwierig, ihn zu korrigieren. Wenn wir immer denken, dass es die Schuld anderer ist, können wir nicht vorankommen. Wir haben dann den Weg der Emanzipation, den Weg der Befreiung, nicht begonnen.

Einige Menschen sind immer wütend, beschuldigen immer andere, meckern immer über andere. Die anderen lösen nur unseren Wahnsinn aus. Es ist schwer für manche zu hören. Doch es ist die Wahrheit.
Es sind dieselben Menschen, die nur eine Lösung sehen: profitieren, genießen, sich ablenken, ohne die Folgen ihrer Entscheidungen zu betrachten.

Meister Dōgen sagt: „Wer auch nur für einen Moment das ‚Ich‘, das ‚ich Möchte‘ und das ‚ist Meins‘ vergißt und in die erhabene Einsamkeit zurückkehrt, der zeigt die wahre Form des Geistes des Erwachens. “
Erhabene Einsamkeit ist, wenn sich der Geist mit dem Körper verbindet, wenn Körper und Geist eins werden. Im Gegensatz zur dualistischen, wissenschaftlichen Einstellung, wo es denjenigen gibt, der beobachtet und das was beobachtet wird.

Meister Dōgen spricht nicht davon, das Selbst zu zerstören, das ist nicht möglich. Derjenige, der alles erscheinen und vorbeiziehen läßt, ohne sich darum zu kümmern, dieser manifestiert die wahre Form des erwachenden Geistes.
Seinen Geist waschen – Beobachten aus einem neuen Blickwinkel. Betrachte den Prozeß der Ursachen und Bedingungen, die sich in Konsequenzen verwandeln, die selbst Ursachen und Bedingungen sind … bis ins Unendliche.

Meister Dōgen sagt uns: Gewohnt sein den Elefanten im Schatten zu fühlen, sich nicht vor den echten Drachen fürchten. Gewohnt sein an deinen Gedanken mit Intelligenz herumzubasteln – Gedanken, die nur Repräsentationen der Realität sind. Zugang zu dem finden, was du wirklich bist, das heißt zu Gedanken, die aus dem Nicht-Denken kommen, wie der Drache, der von der Tiefe der Ozeane bis zum höchsten Punkt am Himmel aufsteigt und augenblicklich zum Meer zurückkehrt.

Einige Menschen gehen mit gesenktem Kopf, kauen immer wieder auf ihren Gedanken herum, nesteln an ihrem Standpunkt herum, verbreiten ihn. Es geht um die psychische Gesundheit für das Überleben des Universums, für das Überleben der Menschheit.

Wer, sei es auch nur für einen Moment, das ‚Ich‘, das ‚ich Möchte‘ und das ‚ist Meins‘ vergißt und in die erhabene Einsamkeit zurückkehrt, der zeigt die wahre Form des Geistes des Erwachens.

Im Zen wird vorgeschlagen, sich selbst, durch die Praxis, zu verifizieren, aber dabei nicht im Geist zu bleiben, nicht dem Geist Geist hinzuzufügen, indem man seine Vorurteile, seine Ängste entfaltet. Die Selbstkritik im Buddhismus ist lebendige Selbstkritik – das heißt die Erfahrung praktizieren.

Gib das ‚Ich‘, das ‚ich Möchte‘ und das ‚ist Meins‘ auf. Kehre zum ursprünglichen Geist zurück, von allen Konzepten gereinigt.


Taiun JP Faure, Kanshoji, Juli 2019

Das Leben allumfassend würdigen

Wenn du etwas anderes willst, als das, was der Himmel dir schickt, wirst du auf Schwierigkeiten stoßen. So ist es in der Geschichte der Menschheit.Von dem Moment an, in dem du die Situation die dir zufällt nicht schätzen kannst, suchst…

Wie kann man zum ursprünglichen Geist zurückkehren?

Meister Deshimaru sprach von der wahren Religion. Er sagte: "Die Religion vor der Religion", die Religion vor den Worten und Dogmen. Dies sind nicht die Religionen, die sich gegenüberstehen, sondern diejenigen, die uns mit dem ursprünglichen…

Alles ist Geist

Meister Dôgen sagt: „Die Berge und die Täler sind wahrer Geist.“Das ist derselbe Geist, der sich vor Milliarden von Jahren in Form des Urknalls manifestiert hat. Das ist derselbe Geist, der sich seitdem entwickelt. Jede Existenz ist…

Shosan

Begegnung mit dem Abt

Bei einer Tasse Tee im Kreis der Schüler spricht der Meister frei über das Dharma.
Unterweisungen zumeist im Zusammenhang mit Alltagssituationen.

Ein Kloster ist nicht groß, weil es viele Schüler hat.
Es ist groß, weil man in ihm jeden Tag Shosan praktiziert.
Meister Dôgen

Shôsan zum Engagierten Buddhismus

Das Shôsan bezieht sich auf den Film „Le vénérable W.“ über einen Mönch aus Birma, der Haltung zum islamischen Rassismus bezieht.Ich habe Vorbehalte gegenüber der Haltung des Engagierten Buddhismus, der in die politische Richtung…

Zen und Psychoanalyse

" [...] Das Zen ist ein ganz anderer Weg, der nicht das Ego reparieren möchte, es mit der Gesellschaft und den Seinesgleichen kompatibel machen möchte. Das Zen kümmert sich um andere Probleme, um andere Wagnisse [...]"(Video auf fr…

Mondo

Fragen und Antworten

Im Mondo hat der Schüler die Gelegenheit dem Meister eine Frage zu Aspekten der Unterweisung und zu ihrer Realisierung im Alltagsleben zu stellen.

Teisho

Vorträge

Die Unterweisung im Rahmen eines Vortrags zu einem gegebenen Thema.

Ansprache des Abtes während der Generalversammlung der AZK

Unsere materialistischen, westlichen Gesellschaften ernähren sich leider allzu oft von der Energie der drei Gifte. Sie sind in der Krise und brechen auseinander… Es muss sich etwas in unserer Lebensart ändern…Wie Buddha sagt, mündet…

Ein Gespräch mit Taiun JP Faure ("Regards bouddhistes")

(Hier einige Auszüge aus einem Gespräch mit Taiun Jean-Pierre Faure, Abt des Klosters Kanshoji, geleitet von der französischen Serie "Regard Bouddhiste" vom 4. Januar 2016. )Regards Bouddhistes: Es gibt eine vorgefasste Meinung von Gewaltlosigkeit,…

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô ZenTaiun Jean-Pierre Faure Es ist fundamental zu verstehen, warum wir diese 10 Tage zusammen in diesem Kloster verbringen : „Wozu sind wir hierhergekommen, was ist die echte…

Gedichte

Folgen der Sendung Buddhistische Weisheiten (Sagesses Bouddhistes) auf France 2

  • Quelle place et quel sens donner à la vie monacale ?
  • Comprehension du Bouddhisme par les occidentaux, difficultés et pièges.
  • La relation maître disciple
  • La résonance dans la voie du Bouddha
  • Le désir d’appropriation, sources de toutes les souffrances