Unterweisung in Kanshoji

Im Zen Sôtô wird die Unterweisung von Person zu Person weitergegeben.

In Kanshoji wird sie von Taiun Jean-Pierre Faure, gegeben, der die Übertragung des Dharmas von Dônin Minamizawa Roshi erhalten hat.

Selbst wenn die Lehre in jeder Epoche verändert wird, stützt sie sich auf die Unterweisung der Gründer und der Patriarchen. In Kanshoji wird die Unterweisung in den verschiedenen unten beschriebenen traditionellen Formen des Zen Sôtô gegeben (siehe auf Seite “Sôtô Zen Buddhismus”).

Alle Unterweisungen werden ins Englische übersetzt.

Kusen

Mündliche Unterweisung während Zazen

Das Kusen ist die mündliche Unterweisung, die vom Meister während des Zazen gegeben wird.

Es ist keine Literatur. Die Sätze sind einfach, kurz und direkt. Das Kusen wendet sich an das Unbewusste, an das Herz des Schülers.
Der Schüler soll nicht versuchen es mit dem Geist zu verstehen.

Lieber Freund, siehst du nicht den Mann des Weges,

der weder nach der Wahrheit sucht noch vor den Illusionen flüchtet?

Das ist der erste Vers des Shodoka, des Gesangs von der unmittelbaren Erweckung, geschrieben von Meister Yoka Daishi.

Yoka Daishi gibt uns einen freundschaftlichen Rat. Dieser Mann des Weges hat verstanden, dass die drei Gifte – die Ignoranz, die Begierde und der Abneigung – eine Funktion des Menschen sind. Er weiß, dass die drei Gifte an unserer Repräsentation der Realität teilhaben.

Wir können die Wahrheit nicht in unseren leidenschaftlichen Ansichten finden. Sobald wir mit Leidenschaft sprechen ist unser Ansicht verzerrt. Deshalb nimmt der Mann des Weges nicht am disharmonischen Konzert der Stimmen teil, an der Kakophonie die heute innerhalb der Menschheit anschwillt. „Ich besitze die Wahrheit, ihr habt Unrecht“ ist eine kindische Einstellung.

Die drei Gifte werden von allen menschlichen Wesen geteilt. Buddha hat nicht verlangt diese zu unterdrücken. Er verlangt von uns sich über die drei Gifte hinaus zu behaupten. Einige beten die Gier an, andere die Abneigung… Jeder denkt dass er die Wahrheit besitzt, folglich führt dies zum Krieg…

Siehst du nicht, lieber Freund, den Mann des Weges,

der weder nach der Wahrheit sucht noch vor den Illusionen flüchtet?

Er ist kein Narr, er weiß, dass alles was in seinem Geist auftaucht nichts anderes ist als vorübergehende Erscheinungen, Formen die vom Karma verzerrt sind. Er bevorzugt es darüber zu stehen, offen für die Realität zu sein, so wie sie ist.

Die Lüge, der Betrug, der Diebstahl, die Gewalt… all das existiert in uns. All dies nährt unser leidenschaftliches Funktionieren. All das nährt unsere Starre. Manche Personen haben festgefahrene Ideen über das was gut ist, über das was schlecht ist. Seid nicht erstarrt in euren Konzeptionen. Geht darüber hinaus, das ist unsere Praxis.

Jedermann ist mit dem einverstanden, was ich sage … solange es nur den Anderen betrifft.

Jeder denkt seine Ansichten sind korrekt. Diese fanatische Einstellung kommt von unserem Missverständnis von dem was die Gedanken sind. Die Gedanken sind nichts anderes als Repräsentationen von dem was ist: beschränkt, vorübergehend, konventionell – aber sie sind auf keinen Fall die Realität selbst.

Manche sagen: „Es ist mein Gott der wahrhaftig ist, deiner ist es nicht“. Das Absolute steht über all dem was man denken kann. Das Absolute kann nicht mit Worten erfasst werden, noch weniger mit einem fiebernden Gehirn.

Bitte, fügt eure verzerrte Stimme nicht zur vorherrschenden Kakophonie hinzu. Das ist es was wir in Zazen praktizieren, wenn wir eine Idee aufziehen und vorbeiziehen lassen, ein Gefühl, eine Ansicht – ohne uns daran festzuhalten. Wenn wir einen offenen, disponiblen Geist behalten.

Am Ende mache ich das, was ich machen muss, und ich mache das nicht, was ich nicht machen muss. Was ich zu tun habe ist ohne Unterlass zu einem friedfertigen Geist zurückzukehren, ein offenes Herz zu bewahren. Was ich nicht machen darf ist die Waffen auffahren um immer Recht zu haben, bereit zu sein jeden zu beseitigen der mit meinen Konzeptionen nicht übereinstimmt.

Ich habe einen Traum … Martin Luther King träumte davon, dass die Menschheit in Frieden lebt. Das ist der Traum aller Buddhas. Sich gemeinsam im Frieden wiederzufinden, jenseits von allem was uns trennt.

Taiun JP Faure, November 2020

,

Wenig Bedürfnisse zu haben

Es sind 2600 Jahre, dass Shakyamuni Buddha seine Mitbürger einlud ihr Verhältnis zur Welt zu überdenken. Im Moment seines Todes vermittelte er die acht Richtungen, die man die Acht Satori des Großen Menschen nennt. Das erste Satori war wenig…
,

Der absolute politische Akt

Die richtige Haltung einzunehmen verlangt ein großes Feingefühl, eine große Aufmerksamkeit, ein totales Engagement. Sich selbst in die Hand zu nehmen ohne sich selbst weh zu tun. Manche besitzen die Unverfrorenheit oder die Arroganz zu glauben,…
,

Kooperation mit allen Existenzen

Ein Baby im Mutterleib erhält sein Leben ohne die geringste Anstrengung. Es erhält das Leben von seiner Mutter. Seine Mutter erhält das Leben vom Universum. Wir erhalten in jedem Augenblick unser Leben vom gesamten Universum. Dieses Baby…

Shosan

Begegnung mit dem Abt

Bei einer Tasse Tee im Kreis der Schüler spricht der Meister frei über das Dharma.
Unterweisungen zumeist im Zusammenhang mit Alltagssituationen.

Ein Kloster ist nicht groß, weil es viele Schüler hat.
Es ist groß, weil man in ihm jeden Tag Shosan praktiziert.
Meister Dôgen

Shôsan zum Engagierten Buddhismus

Das Shôsan bezieht sich auf den Film „Le vénérable W.“ über einen Mönch aus Birma, der Haltung zum islamischen Rassismus bezieht. Ich habe Vorbehalte gegenüber der Haltung des Engagierten Buddhismus, der in die politische Richtung…

Zen und Psychoanalyse

" [...] Das Zen ist ein ganz anderer Weg, der nicht das Ego reparieren möchte, es mit der Gesellschaft und den Seinesgleichen kompatibel machen möchte. Das Zen kümmert sich um andere Probleme, um andere Wagnisse [...]" (Video auf fr…

Mondo

Fragen und Antworten

Im Mondo hat der Schüler die Gelegenheit dem Meister eine Frage zu Aspekten der Unterweisung und zu ihrer Realisierung im Alltagsleben zu stellen.

Teisho

Vorträge

Die Unterweisung im Rahmen eines Vortrags zu einem gegebenen Thema.

Ansprache des Abtes während der Generalversammlung der AZK

Unsere materialistischen, westlichen Gesellschaften ernähren sich leider allzu oft von der Energie der drei Gifte. Sie sind in der Krise und brechen auseinander… Es muss sich etwas in unserer Lebensart ändern… Wie Buddha sagt, mündet…

Ein Gespräch mit Taiun JP Faure (“Regards bouddhistes”)

(Hier einige Auszüge aus einem Gespräch mit Taiun Jean-Pierre Faure, Abt des Klosters Kanshoji, geleitet von der französischen Serie "Regard Bouddhiste" vom 4. Januar 2016. ) Regards Bouddhistes: Es gibt eine vorgefasste Meinung von Gewaltlosigkeit,…

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen Taiun Jean-Pierre Faure   Es ist fundamental zu verstehen, warum wir diese 10 Tage zusammen in diesem Kloster verbringen : „Wozu sind wir hierhergekommen, was ist die echte…

Diskussionsforum

Stellen Sie Ihre Fragen

Sie sind eingeladen diese Seite mit Fragen zu füllen.
Zögern Sie also nicht uns diese an
info@kanshoji.org zu senden.

Es gibt keinen Geist ohne Körper, es gibt keinen Körper ohne Geist. Tatsächlich handelt es sich um zwei Aspekte einer einzigen und identischen Realität.
Wenn Körper und Geist vereint sind, bleiben wir präsent in der ultimativen Realität, wie es Buddha Shakyamuni so gut sagt: „der gehörte Klang und derjenige der ihn hört sind sogleich vergessen.“ Dies zu tun gewöhnen wir uns durch Zazen an.
Wir können darum sagen: Wie auch immer die Situation ist in die wir geworfen werden, wir sind total offen und zugänglich.
Wenn wir alles, was im Bewusstsein erscheint, vorbeiziehen lassen ohne ihm zu entfliehen oder es zurückzuweisen, egal was es ist, dann trennt uns nichts mehr von der Realität. Körper und Geist sind Eins, wir werden Eins mit allen Wesen des Universums. Von dieser Einheit mit allen Wesen ausgehend könne wir ihnen mit Weisheit und Mitgefühl antworten.

Zazen ist kein Mittel für was auch immer. Zazen ist nur die Manifestation der ultimen Realität, die kein Ziel in sich trägt. Diese letztendliche Realität in uns hineinzutragen, das hat die Kraft unser Leben zu ändern. Man nimmt wahr, dass unsere Sichtweisen, unsere Konzeptionen, unsere Interpretationen alle relativ sind und sie in keinem Fall mit der letztendlichen Realität verwechselt werden dürfen.

Eine falsche Sichtweise der Realität lässt uns glauben, dass alle Dinge des Lebens permanent sind, dauerhaft sind, eine wahre Existenz haben, unabhängig von den Anderen. Aber es ist genau das Gegenteil.
Die Realität ist, dass alle Dinge des Lebens unbeständig sind und in wechselseitiger Abhängigkeit mit allen anderen Dingen existieren. Sie haben keine Existenz, die von den Anderen getrennt ist.

Buddha hat gelehrt, dass wir es sind, die durch unsere Ignoranz, unsere Gier und unsere Abneigungen unser eigenes Leiden verursachen. In der Folge versichert er, dass wir unseren Leiden entkommen können, indem wir
uns von den drei Verunreinigungen befreien, die die drei Gifte genannt werden.
Ignoranz (Verirrung, Unwissenheit):
Blind sein für die wahre Natur des Lebens, für die wahre Natur aller Dinge, Buddhanatur genannt. Diese Ignoranz hält uns davon ab unser Leben in einer korrekten und harmonischen Weise zu gestalten, da wir die Realität nicht so sehen wie sie ist.
Gier (Begehrlichkeit):
Unsere wahre Natur und die aller Dinge vernachlässigend, kennen wir nicht das befriedigende Gefühl der Ruhe und der Zufriedenheit. Es resultiert ein Zustand der Frustration und der Unvollständigkeit, der uns dazu drängt das Glück im Besitz, den materiellen Gütern, der Position in der Gesellschaft, im Renommee, der Anerkennung usw. zu suchen.
Abneigung (Zorn, Gewalttätigkeit, Hass):
Den erweckten Zustand ignorierend, beschuldigen wir die Anderen, haben eine Abneigung gegen alles was uns stört, und zeigen Zorn und Hass nach aussen.

Weil wir, meist ohne es zu wissen, den drei Giften folgen, unterhalten wir mit der Welt unaufrichtige Beziehungen, die unsere Entfaltung und die der Anderen verhindern.

Die Praxis des Buddhawegs besteht darin, mit Weisheit und Mitgefühl zu handeln. Das realisiert sich, wenn wir uns von den drei Giften befreien – der Ignoranz, der Gier, der Abneigung – und von allen toxischen Strömungen in uns.
Dann sind wir nicht mehr eingeschlossen in unseren egoistischen Gedanken und dadurch auch nicht mehr von den anderen Existenzen getrennt. Wir sehen die Anderen wie sie sind, mit ihren Freuden und mit ihrem Kummer. Wir empfinden das Bedürfnis, ihnen in ihrem Leiden zu helfen. Mitgefühl zu haben heisst, in Einheit mit dem Anderen zu sein. Der Fluss des Gebens fliesst dann natürlich und frei zwischen allen Wesen. Von den drei Giften befreit kommt die Tugend des Gebens von selbst. Dies ist charakteristisch für die Lebensweise Buddhas.

Gedichte

Folgen der Sendung Buddhistische Weisheiten (Sagesses Bouddhistes) auf France 2

  • Kanshoji, monastère zen dans le Périgord Vert
  • Quelle place et quel sens donner à la vie monacale ?
  • Comprehension du Bouddhisme par les occidentaux, difficultés et pièges.
  • La relation maître disciple
  • La résonance dans la voie du Bouddha
  • Le désir d’appropriation, sources de toutes les souffrances