Unterweisung in Kanshoji

Im Zen Sôtô wird die Unterweisung von Person zu Person weitergegeben.

In Kanshoji wird sie von Taiun Jean-Pierre Faure, gegeben, der die Übertragung des Dharmas von Dônin Minamizawa Zenji erhalten hat.

Selbst wenn die Lehre in jeder Epoche verändert wird, stützt sie sich auf die Unterweisung der Gründer und der Patriarchen. In Kanshoji wird die Unterweisung in den verschiedenen unten beschriebenen traditionellen Formen des Zen Sôtô gegeben (siehe auf Seite “Sôtô Zen Buddhismus”).

Alle Unterweisungen werden ins Englische übersetzt.

Kusen

Mündliche Unterweisung während Zazen

Das Kusen ist die mündliche Unterweisung, die vom Meister während des Zazen gegeben wird.

Es ist keine Literatur. Die Sätze sind einfach, kurz und direkt. Das Kusen wendet sich an das Unbewusste, an das Herz des Schülers.
Der Schüler soll nicht versuchen es mit dem Geist zu verstehen.

Meister Nangaku – die Geschichte spielt in China – sieht seinen Schüler Baso, der mit starkem Engagement Zazen praktiziert. Er sagt also zu ihm: „Was versuchst du gerade zu tun?“ Der Schüler antwortet: „Ich versuche Buddha zu werden.“ Meister Nangaku nahm daraufhin einen Dachziegel und begann ihn zu polieren. Der Schüler Baso fragte: „Aber was macht ihr da wenn ihr den Dachziegel poliert?“ Nangaku sagte: „Ich versuche einen Spiegel daraus zu machen.“ Der Schüler sagte: „Aber ihr könnt keinen Spiegel aus diesem Dachziegel machen, selbst wenn ihr ihn poliert.“ Meister Nangaku antwortet also: „Und du, glaubst du den Buddha-Zustand zu erreichen indem du Zazen praktizierst?“

Diese Geschichte ist sehr berühmt. Sie weist auf einen sehr wichtigen Aspekt der Praxis hin. Alle unsere Handlungen sind mit der Idee des Erreichens eines Ziels unterlegt. Wir handeln immer um etwas zu erhalten.

Meister Nangaku versucht seinem Schüler zu verstehen zu geben, dass die Praxis kein Mittel ist um Buddha zu werden, da wir im Innersten bereits Buddha sind. Es geht nicht darum Buddha zu werden. Es gibt kein Ziel zu erreichen. Die Praxis selbst ist das Ziel. Weil wir Buddha sind, praktizieren wir Buddha.

Weil wir das Leben sind, praktizieren wir das Leben. Wir praktizieren das Leben wie es ist. Wir enthalten uns davon unentwegt Kommentare hinzuzufügen. Wir enthalten uns davon fixiert auf einer Sache stehen zu bleiben, egal was es ist. Wir lassen das Leben frei fließen, ohne einzugreifen, ohne uns zu widersetzen.

Meister Deshimaru sagte: „Zazen zu praktizieren ist die Normalform des Geistes zu praktizieren.“

In der Welt des Zen, in der Welt der Erweckung sind Praxis und Realisation ein und dasselbe. So wie eine Form von seinem Schatten begleitet ist – der Schatten taucht im selben Moment auf wie die Form. Wenn man das Vorbeiziehenlassen praktiziert, gibt man seinem Geist die Freiheit und er bleibt auf nichts fixiert. Das ist die totale Befreiung, das ist der Normalzustand des Geistes.

Wenn man aufrecht sitzt, wenn unser Geist mit nichts beschäftigt ist, wenn unsere Atmung frei kommt und geht, wenn man nichts festzuhalten versucht, egal was es ist, wenn man vor nichts flieht, egal was es ist, wenn man alle Formen die im Geist erscheinen von alleine auftauchen und vorbeiziehen lässt, das ist der Normalzustand des Geistes, das was man Buddha-Zustand nennt. Diese Haltung verändert unser Leben tiefgehend.

Achtet auf die Haltung des Kopfes, der auf den Schultern ruhen soll, die Augenlider gesenkt aber halboffen, lockert die Spannungen in den Augäpfeln – all dies poliert die Haltung. Die Handlung des Polierens selbst ist der Spiegel. In sich selbst präsent sein, das Bewusstsein offen zu halten, ohne Verunreinigungen, ohne Grenzen, das ist er – der Spiegel.

Zu einem weiten Bewusstsein zu gelangen, das von nichts verdunkelt wird, das alles sieht, das an nichts anhaftet, egal was es ist, das ist der Normalzustand des Geistes. Keine Form haftet auf dem Spiegel an, keine Form ist fixiert, die Formen erscheinen und vergehen.

Unsere Angst, unsere Gier, unsere Wut erlaubt den Formen auf dem Spiegel zu erscheinen. Wenn wir frei von den drei Giften sind, die da sind Dummheit, Gier und Abneigung, dann gleitet alles, alles zieht für immer vorbei. Das ist der Normalzustand, der Buddha-Zustand, ohne Fabrikation von Gedanken. So wie es ist, ist es Buddha. So wie wir in unserem tiefen Innersten sind, sind wir Buddha.

Sucht also nach nichts, begnügt euch zu sein was ihr wirklich seid. Begnügt euch damit zu sitzen, vollständig zu sitzen, unter Ausschluß aller anderen Dinge.

Erhaltet dieselbe Praxis in allen Aktivitäten des Alltagslebens. Wenn ihr geht, dann begnügt euch damit vollständig nur zu Gehen. Wenn ihr esst, dann begnügt euch damit vollständig nur zu Essen, immer aufmerksam auf das was ihr tut.

Ihr schmeckt dann die reine Existenz, ohne Kommentar, ohne Dekoration, ohne Ziel – ohne Verzögerung.

Taiun JP Faure, November 2021

,

In sich selbst hineinschauen hilft den Anderen sich selbst zu sehen

Es gibt Menschen, die die Welt verändern möchten, indem sie von anderen verlangen sich zu ändern und dann gibt es Menschen die die Welt verändern möchten indem sie in sich selbst hineinschauen. Diese beiden Einstellungen schließen sich…

Dem Glück zu folgen heißt sich in der Richtung zu irren.

Wir erhoffen ein beschwingtes Morgen Wir hoffen, dass morgen besser ist als heute. Man denkt: Morgen, wenn ich mehr Geld habe, dann bin ich glücklicher. Wenn ich mehr Komfort habe, dann bin ich glücklicher. Man rennt hinter dem Glück her.…

Die weiße Wolke ist der Sohn des blauen Berges

Unsere Haltung soll sich nicht auf sich selbst zurückziehen. Unsere Haltung soll sich in alle Richtungen entwickeln, in die Unendlichkeit der Richtungen, sich dem Unendlichen öffnen. Die Unendlichkeit der Formen ist nichts anderes als die…

Chosan

Begegnung mit dem Abt

Bei einer Tasse Tee im Kreis der Schüler spricht der Meister frei über das Dharma.
Unterweisungen zumeist im Zusammenhang mit Alltagssituationen.

Ein Kloster ist nicht groß, weil es viele Schüler hat.
Es ist groß, weil man in ihm jeden Tag Chosan praktiziert.
Meister Dôgen

Chôsan zum Engagierten Buddhismus

Das chôsan bezieht sich auf den Film „Le vénérable W.“ über einen Mönch aus Birma, der Haltung zum islamischen Rassismus bezieht. Ich habe Vorbehalte gegenüber der Haltung des Engagierten Buddhismus, der in die politische Richtung…

Zen und Psychoanalyse

" [...] Das Zen ist ein ganz anderer Weg, der nicht das Ego reparieren möchte, es mit der Gesellschaft und den Seinesgleichen kompatibel machen möchte. Das Zen kümmert sich um andere Probleme, um andere Wagnisse [...]" (Video auf fr…

Mondo

Fragen und Antworten

Im Mondo hat der Schüler die Gelegenheit dem Meister eine Frage zu Aspekten der Unterweisung und zu ihrer Realisierung im Alltagsleben zu stellen.

Teisho

Vorträge

Die Unterweisung im Rahmen eines Vortrags zu einem gegebenen Thema.

Ansprache des Abtes während der Generalversammlung der AZK

Unsere materialistischen, westlichen Gesellschaften ernähren sich leider allzu oft von der Energie der drei Gifte. Sie sind in der Krise und brechen auseinander… Es muss sich etwas in unserer Lebensart ändern… Wie Buddha sagt, mündet…

Ein Gespräch mit Taiun JP Faure (“Regards bouddhistes”)

(Hier einige Auszüge aus einem Gespräch mit Taiun Jean-Pierre Faure, Abt des Klosters Kanshoji, geleitet von der französischen Serie "Regard Bouddhiste" vom 4. Januar 2016. ) Regards Bouddhistes: Es gibt eine vorgefasste Meinung von Gewaltlosigkeit,…

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen Taiun Jean-Pierre Faure   Es ist fundamental zu verstehen, warum wir diese 10 Tage zusammen in diesem Kloster verbringen : „Wozu sind wir hierhergekommen, was ist die echte…

Diskussionsforum

Stellen Sie Ihre Fragen

Sie sind eingeladen diese Seite mit Fragen zu füllen.
Zögern Sie also nicht uns diese an
info@kanshoji.org zu senden.

Es gibt keinen Geist ohne Körper, es gibt keinen Körper ohne Geist. Tatsächlich handelt es sich um zwei Aspekte einer einzigen und identischen Realität.
Wenn Körper und Geist vereint sind, bleiben wir präsent in der ultimativen Realität, wie es Buddha Shakyamuni so gut sagt: „der gehörte Klang und derjenige der ihn hört sind sogleich vergessen.“ Dies zu tun gewöhnen wir uns durch Zazen an.
Wir können darum sagen: Wie auch immer die Situation ist in die wir geworfen werden, wir sind total offen und zugänglich.
Wenn wir alles, was im Bewusstsein erscheint, vorbeiziehen lassen ohne ihm zu entfliehen oder es zurückzuweisen, egal was es ist, dann trennt uns nichts mehr von der Realität. Körper und Geist sind Eins, wir werden Eins mit allen Wesen des Universums. Von dieser Einheit mit allen Wesen ausgehend könne wir ihnen mit Weisheit und Mitgefühl antworten.

Zazen ist kein Mittel für was auch immer. Zazen ist nur die Manifestation der ultimen Realität, die kein Ziel in sich trägt. Diese letztendliche Realität in uns hineinzutragen, das hat die Kraft unser Leben zu ändern. Man nimmt wahr, dass unsere Sichtweisen, unsere Konzeptionen, unsere Interpretationen alle relativ sind und sie in keinem Fall mit der letztendlichen Realität verwechselt werden dürfen.

Eine falsche Sichtweise der Realität lässt uns glauben, dass alle Dinge des Lebens permanent sind, dauerhaft sind, eine wahre Existenz haben, unabhängig von den Anderen. Aber es ist genau das Gegenteil.
Die Realität ist, dass alle Dinge des Lebens unbeständig sind und in wechselseitiger Abhängigkeit mit allen anderen Dingen existieren. Sie haben keine Existenz, die von den Anderen getrennt ist.

Buddha hat gelehrt, dass wir es sind, die durch unsere Ignoranz, unsere Gier und unsere Abneigungen unser eigenes Leiden verursachen. In der Folge versichert er, dass wir unseren Leiden entkommen können, indem wir
uns von den drei Verunreinigungen befreien, die die drei Gifte genannt werden.
Ignoranz (Verirrung, Unwissenheit):
Blind sein für die wahre Natur des Lebens, für die wahre Natur aller Dinge, Buddhanatur genannt. Diese Ignoranz hält uns davon ab unser Leben in einer korrekten und harmonischen Weise zu gestalten, da wir die Realität nicht so sehen wie sie ist.
Gier (Begehrlichkeit):
Unsere wahre Natur und die aller Dinge vernachlässigend, kennen wir nicht das befriedigende Gefühl der Ruhe und der Zufriedenheit. Es resultiert ein Zustand der Frustration und der Unvollständigkeit, der uns dazu drängt das Glück im Besitz, den materiellen Gütern, der Position in der Gesellschaft, im Renommee, der Anerkennung usw. zu suchen.
Abneigung (Zorn, Gewalttätigkeit, Hass):
Den erweckten Zustand ignorierend, beschuldigen wir die Anderen, haben eine Abneigung gegen alles was uns stört, und zeigen Zorn und Hass nach aussen.

Weil wir, meist ohne es zu wissen, den drei Giften folgen, unterhalten wir mit der Welt unaufrichtige Beziehungen, die unsere Entfaltung und die der Anderen verhindern.

Die Praxis des Buddhawegs besteht darin, mit Weisheit und Mitgefühl zu handeln. Das realisiert sich, wenn wir uns von den drei Giften befreien – der Ignoranz, der Gier, der Abneigung – und von allen toxischen Strömungen in uns.
Dann sind wir nicht mehr eingeschlossen in unseren egoistischen Gedanken und dadurch auch nicht mehr von den anderen Existenzen getrennt. Wir sehen die Anderen wie sie sind, mit ihren Freuden und mit ihrem Kummer. Wir empfinden das Bedürfnis, ihnen in ihrem Leiden zu helfen. Mitgefühl zu haben heisst, in Einheit mit dem Anderen zu sein. Der Fluss des Gebens fliesst dann natürlich und frei zwischen allen Wesen. Von den drei Giften befreit kommt die Tugend des Gebens von selbst. Dies ist charakteristisch für die Lebensweise Buddhas.

Gedichte

Folgen der Sendung Buddhistische Weisheiten (Sagesses Bouddhistes) auf France 2

  • Kanshoji, monastère zen dans le Périgord Vert
  • Quelle place et quel sens donner à la vie monacale ?
  • Comprehension du Bouddhisme par les occidentaux, difficultés et pièges.
  • La relation maître disciple
  • La résonance dans la voie du Bouddha
  • Le désir d’appropriation, sources de toutes les souffrances