Unterweisung in Kanshoji

Im Zen Sôtô wird die Unterweisung von Person zu Person weitergegeben.

In Kanshoji wird sie von Taiun Jean-Pierre Faure, gegeben, der die Übertragung des Dharmas von Dônin Minamizawa Zenji erhalten hat.

Selbst wenn die Lehre in jeder Epoche verändert wird, stützt sie sich auf die Unterweisung der Gründer und der Patriarchen. In Kanshoji wird die Unterweisung in den verschiedenen unten beschriebenen traditionellen Formen des Zen Sôtô gegeben (siehe auf Seite „Sôtô Zen Buddhismus“).

Alle Unterweisungen werden ins Englische übersetzt.

Kusen

Mündliche Unterweisung während Zazen

Das Kusen ist die mündliche Unterweisung, die vom Meister während des Zazen gegeben wird.

Es ist keine Literatur. Die Sätze sind einfach, kurz und direkt. Das Kusen wendet sich an das Unbewusste, an das Herz des Schülers.
Der Schüler soll nicht versuchen es mit dem Geist zu verstehen.

Anstatt die Gedanken herumschweifen zu lassen, anstatt seinem eigenen Wahnsinn freie Bahn zu lassen – bitte: Bringt eueren Geist in euren Körper zurück. Kehrt zu eurem Normalzustand zurück, wo die Gedanken auf dem Spiegel entlanggleiten, ohne anzuhaften. Manche sagen mir: „Das ist Alles? Gibt es nichts anderes zu tun?“ Ja, das ist Alles. Es gibt nichts anderes zu tun. Aber immer noch müsst ihr es wirklich wollen.

Manchmal, ohne es zu bemerken bleibt, man in seinen Fehlern verhaftet. Unser innerer Dämon möchte in den Fehlern ausharren. Da wir ein menschliches Wesen sind, sind wir sicher, dass wir eines Tages die schmerzhafte Erfahrung des Verrats, des Konflikts, der Schlechtigkeit der Dinge machen. Demgegenüber müssen wir einen freien Geist behalten, einen Geist, der an nichts anhaftet. Die Lehre Buddhas geht das an aber wir verharren in unserem Zorn und in unserem Groll. Die Schmerzen, die man uns antut, möchten wir dem zurückgeben, der sie verursacht hat und so behält man die Schmerzen im Herzen. Aber es ist, als ob wir die glühenden Kohlen behalten, um sie auf jemanden zu werfen: Am Ende sind wir es die uns verbrennen. Also muss man loslassen und aufgeben bevor man sich verbrennt. Der Buddha sagt:

„Er hat mich geschlagen, er hat mich bestohlen, er hat mich verletzt…“
Gebt diese Gedanken auf. Lebt in der Liebe.

Auch wenn man es nicht erreicht diese innere Wut aufzugeben, diesen Hass, wenn man es nicht schafft diese Schuld aufzugeben, wenn man es nicht schafft diesen Hass in sich aufzugeben, dann sollten wir nachdenken. Wir müssen uns daran erinnern, dass Buddha gesagt hat:

Der Hass ist niemals vergangen mittels des Hasses

Aber genauso für die Traurigkeit, die Arroganz… Solche Gefühle in seinem Herzen zu erhalten, das ist sich schlecht zu behandeln, das ist sich Schmerz zuzufügen. Buddha schreibt:

Erinnere dich daran wer du wirklich bist. Wisse, dass in dir ein großes und gnädiges Herz zuhause ist.

Das heißt ein weites und grenzenloses Bewusstsein. Nachdenken, das heißt verstehen, dass es am Ende wir selbst sind die uns Schmerzen zufügen im Ausharren in der Wut und in der Abneigung. Auch ist es die erste Sache zu sehen, dass wir zu oft von unguten Gefühlen angetrieben werden. Folglich müssen wir uns selbst vergeben: Die Selbstquälerei, die Beschuldigungen, den Hass in sich aufzugeben. Wissen wie man verzeiht. In der Bhagavadgita steht geschrieben:

Wenn ihr die Rechtschaffenden sehen wollt, schaut bei denen die verzeihen können.

Wenn man sich selbst verzeihen kann für die Fehler, für die schlechte Behandlung, die man sich zugemutet hat und die man anderen zugemutet hat, dann kann man auch den anderen verzeihen. Das Verzeihen ist vor allem eine Befreiung, das Gewicht von uns zu nehmen, das uns das Herz gebrochen hat.

Denkt darüber nach. Das heißt nicht, dass man die Augen verschließt, eher im Gegenteil.

Bleibt nicht in eurem Hass, in eurer Angst, in eurer Traurigkeit verhaftet. Ihr tut euch nur selbst weh, aber es sind auch die anderen, denen ihr weh tut. Wenn ihr eure Wut auf andere loslässt, verhindert ihr, dass derjenige sich weiterentwickelt und sich befreit. Und vor allem schließt ihr ihn aus eurem Herzen aus. Ihr werdet klein und jämmerlich.

Der Normalzustand ist, wenn alles immerzu und für immer vorbeigeht, alles gleitet in den leeren Himmel. Wenn das nicht der Fall ist, dann verschließt ihr euer Herz freiwillig. Ihr behaltet die Wut und den Hass, um ihn eines Tages dem anderen zurückzahlen zu können. Ihr verbleibt in der falschen, schlechten Richtung. Seht dies und hört auf euch zu beschweren.

Wenn ihr die Rechtschaffenden sehen wollt, schaut bei denen die verzeihen können.

Sich selbst verzeihen, anderen verzeihen – So kann man zum Normalzustand zurückkehren, zur wahren Liebe – das Herz offen.

Taiun JP Faure, Januar 2023

Das Gebirge betreten

Im Shōdōka findet man das folgende Gedicht: Ich betrete das tiefe Gebirge, wo ich meine Einsiedelei bewohne. Unter einer großen Pinie, die Baumkrone steil geneigt - in den unendlichen Abgrund tauchend. Ich setze mich still und ohne…

Die Wahrheit folgt ihrem Weg, egal was ihr über sie denkt

Ihr könnt denken was ihr wollt. Ihr könnt glauben was ihr wollt. Ihr habt den Eindruck, dass es so ist – oder so. Ihr könnt glauben, dass man die Wahrheit mit Worten fassen kann, dass man die Wahrheit in Worte einschließen kann. Aber die…
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Zum Menschen werden so wie er wirklich ist

Wir leben zwischen zwei Welten, das ist unumgänglich: die Welt der Erscheinungen und die Welt dessen was die Dinge im Innersten wirklich sind und wie sie im Innersten wirklich funktionieren – der letztendlichen Realität. Ein sehr bekanntes…

Chosan

Begegnung mit dem Gründerabt

Bei einer Tasse Tee im Kreis der Schüler spricht der Meister frei über das Dharma.
Unterweisungen zumeist im Zusammenhang mit Alltagssituationen.

Ein Kloster ist nicht groß, weil es viele Schüler hat.
Es ist groß, weil man in ihm jeden Tag Chosan praktiziert.
Meister Dôgen

Chôsan zum Engagierten Buddhismus

Das chôsan bezieht sich auf den Film „Le vénérable W.“ über einen Mönch aus Birma, der Haltung zum islamischen Rassismus bezieht. Ich habe Vorbehalte gegenüber der Haltung des Engagierten Buddhismus, der in die politische Richtung…

Zen und Psychoanalyse

" [...] Das Zen ist ein ganz anderer Weg, der nicht das Ego reparieren möchte, es mit der Gesellschaft und den Seinesgleichen kompatibel machen möchte. Das Zen kümmert sich um andere Probleme, um andere Wagnisse [...]" (Video auf fr…

Mondo

Fragen und Antworten

Im Mondo hat der Schüler die Gelegenheit dem Meister eine Frage zu Aspekten der Unterweisung und zu ihrer Realisierung im Alltagsleben zu stellen.

Teisho

Vorträge

Die Unterweisung im Rahmen eines Vortrags zu einem gegebenen Thema.

Ansprache des Abtes während der Generalversammlung der AZK

Unsere materialistischen, westlichen Gesellschaften ernähren sich leider allzu oft von der Energie der drei Gifte. Sie sind in der Krise und brechen auseinander… Es muss sich etwas in unserer Lebensart ändern… Wie Buddha sagt, mündet…

Ein Gespräch mit Taiun JP Faure („Regards bouddhistes“)

(Hier einige Auszüge aus einem Gespräch mit Taiun Jean-Pierre Faure, Abt des Klosters Kanshoji, geleitet von der französischen Serie "Regard Bouddhiste" vom 4. Januar 2016. ) Regards Bouddhistes: Es gibt eine vorgefasste Meinung von Gewaltlosigkeit,…

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen Taiun Jean-Pierre Faure   Es ist fundamental zu verstehen, warum wir diese 10 Tage zusammen in diesem Kloster verbringen : „Wozu sind wir hierhergekommen, was ist die echte…

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Es gibt keinen Geist ohne Körper, es gibt keinen Körper ohne Geist. Tatsächlich handelt es sich um zwei Aspekte einer einzigen und identischen Realität.
Wenn Körper und Geist vereint sind, bleiben wir präsent in der ultimativen Realität, wie es Buddha Shakyamuni so gut sagt: „der gehörte Klang und derjenige der ihn hört sind sogleich vergessen.“ Dies zu tun gewöhnen wir uns durch Zazen an.
Wir können darum sagen: Wie auch immer die Situation ist in die wir geworfen werden, wir sind total offen und zugänglich.
Wenn wir alles, was im Bewusstsein erscheint, vorbeiziehen lassen ohne ihm zu entfliehen oder es zurückzuweisen, egal was es ist, dann trennt uns nichts mehr von der Realität. Körper und Geist sind Eins, wir werden Eins mit allen Wesen des Universums. Von dieser Einheit mit allen Wesen ausgehend könne wir ihnen mit Weisheit und Mitgefühl antworten.

Zazen ist kein Mittel für was auch immer. Zazen ist nur die Manifestation der ultimen Realität, die kein Ziel in sich trägt. Diese letztendliche Realität in uns hineinzutragen, das hat die Kraft unser Leben zu ändern. Man nimmt wahr, dass unsere Sichtweisen, unsere Konzeptionen, unsere Interpretationen alle relativ sind und sie in keinem Fall mit der letztendlichen Realität verwechselt werden dürfen.

Eine falsche Sichtweise der Realität lässt uns glauben, dass alle Dinge des Lebens permanent sind, dauerhaft sind, eine wahre Existenz haben, unabhängig von den Anderen. Aber es ist genau das Gegenteil.
Die Realität ist, dass alle Dinge des Lebens unbeständig sind und in wechselseitiger Abhängigkeit mit allen anderen Dingen existieren. Sie haben keine Existenz, die von den Anderen getrennt ist.

Buddha hat gelehrt, dass wir es sind, die durch unsere Ignoranz, unsere Gier und unsere Abneigungen unser eigenes Leiden verursachen. In der Folge versichert er, dass wir unseren Leiden entkommen können, indem wir
uns von den drei Verunreinigungen befreien, die die drei Gifte genannt werden.
Ignoranz (Verirrung, Unwissenheit):
Blind sein für die wahre Natur des Lebens, für die wahre Natur aller Dinge, Buddhanatur genannt. Diese Ignoranz hält uns davon ab unser Leben in einer korrekten und harmonischen Weise zu gestalten, da wir die Realität nicht so sehen wie sie ist.
Gier (Begehrlichkeit):
Unsere wahre Natur und die aller Dinge vernachlässigend, kennen wir nicht das befriedigende Gefühl der Ruhe und der Zufriedenheit. Es resultiert ein Zustand der Frustration und der Unvollständigkeit, der uns dazu drängt das Glück im Besitz, den materiellen Gütern, der Position in der Gesellschaft, im Renommee, der Anerkennung usw. zu suchen.
Abneigung (Zorn, Gewalttätigkeit, Hass):
Den erweckten Zustand ignorierend, beschuldigen wir die Anderen, haben eine Abneigung gegen alles was uns stört, und zeigen Zorn und Hass nach aussen.

Weil wir, meist ohne es zu wissen, den drei Giften folgen, unterhalten wir mit der Welt unaufrichtige Beziehungen, die unsere Entfaltung und die der Anderen verhindern.

Die Praxis des Buddhawegs besteht darin, mit Weisheit und Mitgefühl zu handeln. Das realisiert sich, wenn wir uns von den drei Giften befreien – der Ignoranz, der Gier, der Abneigung – und von allen toxischen Strömungen in uns.
Dann sind wir nicht mehr eingeschlossen in unseren egoistischen Gedanken und dadurch auch nicht mehr von den anderen Existenzen getrennt. Wir sehen die Anderen wie sie sind, mit ihren Freuden und mit ihrem Kummer. Wir empfinden das Bedürfnis, ihnen in ihrem Leiden zu helfen. Mitgefühl zu haben heisst, in Einheit mit dem Anderen zu sein. Der Fluss des Gebens fliesst dann natürlich und frei zwischen allen Wesen. Von den drei Giften befreit kommt die Tugend des Gebens von selbst. Dies ist charakteristisch für die Lebensweise Buddhas.

Gedichte

Folgen der Sendung Buddhistische Weisheiten (Sagesses Bouddhistes) auf France 2

  • Kanshoji, monastère zen dans le Périgord Vert
  • Quelle place et quel sens donner à la vie monacale ?
  • Comprehension du Bouddhisme par les occidentaux, difficultés et pièges.
  • La relation maître disciple
  • La résonance dans la voie du Bouddha
  • Le désir d’appropriation, sources de toutes les souffrances