Unterweisung in Kanshoji

Im Zen Sôtô wird die Unterweisung von Person zu Person weitergegeben.

In Kanshoji wird sie von Taiun Jean-Pierre Faure, gegeben, der die Übertragung des Dharmas von Dônin Minamizawa Zenji erhalten hat.

Selbst wenn die Lehre in jeder Epoche verändert wird, stützt sie sich auf die Unterweisung der Gründer und der Patriarchen. In Kanshoji wird die Unterweisung in den verschiedenen unten beschriebenen traditionellen Formen des Zen Sôtô gegeben (siehe auf Seite „Sôtô Zen Buddhismus“).

Alle Unterweisungen werden ins Englische übersetzt.

Kusen

Mündliche Unterweisung während Zazen

Das Kusen ist die mündliche Unterweisung, die vom Meister während des Zazen gegeben wird.

Es ist keine Literatur. Die Sätze sind einfach, kurz und direkt. Das Kusen wendet sich an das Unbewusste, an das Herz des Schülers.
Der Schüler soll nicht versuchen es mit dem Geist zu verstehen.

Zazen ist keine gewöhnliche Praxis. Tatsächlich verlangt Zazen eine große Demut (lat. humilitas). Humus, das ist die Erde, zurückkehren zur Erde des Geistes, zurückkehren zum Geist in seiner ursprünglichsten Form. Zazen verlangt die Gedanken vorbeiziehen zu lassen, sich nicht mit den Gedanken zu identifizieren. Die Gedanken sind Produkte des Geistes oder vielmehr eine spezielle Funktionsweise des Geistes. Wahrnehmung ist eine Funktion des Geistes, sich Erinnern ist eine Funktion des Geistes, Wissen ansammeln ist eine Funktion des Geistes, Denken ist eine Funktion des Geistes. Dies sind die Funktionen des Geistes, wie das Schneiden die Funktion des Messers ist. Aber was in Zazen verlangt wird, ist zurückzukehren zur Essenz des Geistes, zum Geist in seiner ursprünglichen Form.


Einem Ton mit dem Ohr zuhören, das ist auf einem Aspekt der Realität stehenzubleiben. Man kann auf einem vergangenen Moment anhalten, um sich an ihn zu erinnern. In beiden Fällen, wie wenn man eine Absicht hat, setzt man ein Hindernis in den Fluss des Geistes, der von sich aus frei fließt. Im Zazen gibt man alle Absichten auf, man sucht nicht danach etwas zu fabrizieren, man kehrt ganz einfach zum reinen Geist zurück, mit dem man die Realität so sieht wie sie ist.


Wenn wir die Evolution des Menschen betrachten, des homo erectus – der der sich auf seine beiden Beine stellt, der die Haltung der Tiere verlässt. Er wird der homo sapiens – der der sein Wissen nutzt. Dann wird er anschließend sapiens sapiens – der der gleich mit den Göttern ist, der Herr der Schöpfung. Das ist eine Art zu funktionieren, die etwas zu erhalten anstrebt, es zu kontrollieren.
In Zazen verlässt man diese Art zu funktionieren vollständig, man bleibt auf nichts stehen, es gibt keine Fixierung im Zazen: Wir kehren zu unserer ersten und originalen Dimension zurück, zu Buddha – das ist nicht das Gewöhnliche. Alle unsere Funktionen des Geistes sind in unserem Leben nach Außen gerichtet. In Zazen macht man etwas anderes. Man geht zurück zur Essenz, zu dem was essenziell ist, zur reinen Existenz, der Geist frei von jeder Absicht.


Es ist eine große Form der Demut zu Buddha zurückzukehren, zu bedenken, dass bevor wir ein denkendes Wesen sind, wir ein lebendes Wesen sind. Bitte – versteht für euch selbst, warum Zazen so wichtig ist, warum die Wurzel wichtig ist. Wenn die Wurzel stark ist, sind die Äste, die Blätter und die Blüten schön.


Im Geist krank sein heißt sich auf einen Aspekt zu fixieren und alle anderen zu vergessen. Manche Menschen machen nichts außer Wissen anzuhäufen, andere erinnern sich nur an Vergangenes, damit lebend die Wahrheit immer nur in der Asche des Vergangenen zu suchen. Andere sind immer dabei zu analysieren – analysieren, um immer einen Vorsprung vor den Anderen zu haben oder um Vorteile aus der Situation zu ziehen. All das führt in den Wahnsinn.


Zum Geist in seiner originalen Form zurückzukehren, sich ihm ohne Absicht zuzuwenden, aufzuhören der Herrscher der Welt zu sein, aufhören damit von Allem profitieren zu wollen, alles auszunutzen. Versteht die Notwendigkeit, dass unser Leben in der Ewigkeit verwurzelt ist, in der Realität, in der Wahrheit. Es ist durch Demut, dass wir zu unserer Buddhadimension zurückkehren, die unübertrefflich ist.


Wenn der Mensch, weil er diese großen Fähigkeiten hat, die Krone der Schöpfung sein möchte oder der älteste Sohn der Schöpfung, verdeckt er, dass er nur ein Kind Buddhas ist. Seine wahre Familie ist die Buddhas und in dieser muss er seine Demut zeigen. Die Arroganz ist eine Form der Verrücktheit, alles dirigieren zu wollen, sich besser als die Anderen zu glauben ist eine Form der Verrücktheit. Wir sind vor allem Buddha.

Taiun JP Faure, Mai 2024

Das Universum ist eine strahlende Perle

Öffnet eure Augen, öffnet eure Ohren, öffnet eure Hände für die Realität. Wie Bodhidharma es sagt: „Grabt nicht in der Höhle der Dämonen der dunklen Berge.“ Verschließt euch nicht vor der Realität, um euren Hirngespinsten zu folgen,…

Lasst die Dornenhecken nicht den Weg überwuchern

„Gracias a la vida que me ha dado tanto… „ ist es, was Mercedes Sosa singt: Danke an das Leben, was mir so viel gibt, was mir so viel gegeben hat. Manche Menschen können sich nicht dazu durchringen das Leben ohne Waffen und Schutzschild…

Einladung zur Empfänglichkeit

Wenn die Grippe ansteckend ist, das Karma ist es nicht. Jeder hat sein eigenes Karma. Bei der Grippe wird etwas Substantielles übertragen. Im Rahmen des Dharma wird nichts Substantielles übertragen. Unser Geist hat Vorurteile. Unser Nachbar…

Chosan

Begegnung mit dem Gründerabt

Bei einer Tasse Tee im Kreis der Schüler spricht der Meister frei über das Dharma.
Unterweisungen zumeist im Zusammenhang mit Alltagssituationen.

Ein Kloster ist nicht groß, weil es viele Schüler hat.
Es ist groß, weil man in ihm jeden Tag Chosan praktiziert.
Meister Dôgen

Chôsan zum Engagierten Buddhismus

Das chôsan bezieht sich auf den Film „Le vénérable W.“ über einen Mönch aus Birma, der Haltung zum islamischen Rassismus bezieht. Ich habe Vorbehalte gegenüber der Haltung des Engagierten Buddhismus, der in die politische Richtung…

Zen und Psychoanalyse

" [...] Das Zen ist ein ganz anderer Weg, der nicht das Ego reparieren möchte, es mit der Gesellschaft und den Seinesgleichen kompatibel machen möchte. Das Zen kümmert sich um andere Probleme, um andere Wagnisse [...]" (Video auf fr…

Mondo

Fragen und Antworten

Im Mondo hat der Schüler die Gelegenheit dem Meister eine Frage zu Aspekten der Unterweisung und zu ihrer Realisierung im Alltagsleben zu stellen.

Teisho

Vorträge

Die Unterweisung im Rahmen eines Vortrags zu einem gegebenen Thema.

Ansprache des Abtes während der Generalversammlung der AZK

Unsere materialistischen, westlichen Gesellschaften ernähren sich leider allzu oft von der Energie der drei Gifte. Sie sind in der Krise und brechen auseinander… Es muss sich etwas in unserer Lebensart ändern… Wie Buddha sagt, mündet…

Ein Gespräch mit Taiun JP Faure („Regards bouddhistes“)

(Hier einige Auszüge aus einem Gespräch mit Taiun Jean-Pierre Faure, Abt des Klosters Kanshoji, geleitet von der französischen Serie "Regard Bouddhiste" vom 4. Januar 2016. ) Regards Bouddhistes: Es gibt eine vorgefasste Meinung von Gewaltlosigkeit,…

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen

Hei jo shin kore do, die Besonderheit des Sôtô Zen Taiun Jean-Pierre Faure   Es ist fundamental zu verstehen, warum wir diese 10 Tage zusammen in diesem Kloster verbringen : „Wozu sind wir hierhergekommen, was ist die echte…

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Es gibt keinen Geist ohne Körper, es gibt keinen Körper ohne Geist. Tatsächlich handelt es sich um zwei Aspekte einer einzigen und identischen Realität.
Wenn Körper und Geist vereint sind, bleiben wir präsent in der ultimativen Realität, wie es Buddha Shakyamuni so gut sagt: „der gehörte Klang und derjenige der ihn hört sind sogleich vergessen.“ Dies zu tun gewöhnen wir uns durch Zazen an.
Wir können darum sagen: Wie auch immer die Situation ist in die wir geworfen werden, wir sind total offen und zugänglich.
Wenn wir alles, was im Bewusstsein erscheint, vorbeiziehen lassen ohne ihm zu entfliehen oder es zurückzuweisen, egal was es ist, dann trennt uns nichts mehr von der Realität. Körper und Geist sind Eins, wir werden Eins mit allen Wesen des Universums. Von dieser Einheit mit allen Wesen ausgehend könne wir ihnen mit Weisheit und Mitgefühl antworten.

Zazen ist kein Mittel für was auch immer. Zazen ist nur die Manifestation der ultimen Realität, die kein Ziel in sich trägt. Diese letztendliche Realität in uns hineinzutragen, das hat die Kraft unser Leben zu ändern. Man nimmt wahr, dass unsere Sichtweisen, unsere Konzeptionen, unsere Interpretationen alle relativ sind und sie in keinem Fall mit der letztendlichen Realität verwechselt werden dürfen.

Eine falsche Sichtweise der Realität lässt uns glauben, dass alle Dinge des Lebens permanent sind, dauerhaft sind, eine wahre Existenz haben, unabhängig von den Anderen. Aber es ist genau das Gegenteil.
Die Realität ist, dass alle Dinge des Lebens unbeständig sind und in wechselseitiger Abhängigkeit mit allen anderen Dingen existieren. Sie haben keine Existenz, die von den Anderen getrennt ist.

Buddha hat gelehrt, dass wir es sind, die durch unsere Ignoranz, unsere Gier und unsere Abneigungen unser eigenes Leiden verursachen. In der Folge versichert er, dass wir unseren Leiden entkommen können, indem wir
uns von den drei Verunreinigungen befreien, die die drei Gifte genannt werden.
Ignoranz (Verirrung, Unwissenheit):
Blind sein für die wahre Natur des Lebens, für die wahre Natur aller Dinge, Buddhanatur genannt. Diese Ignoranz hält uns davon ab unser Leben in einer korrekten und harmonischen Weise zu gestalten, da wir die Realität nicht so sehen wie sie ist.
Gier (Begehrlichkeit):
Unsere wahre Natur und die aller Dinge vernachlässigend, kennen wir nicht das befriedigende Gefühl der Ruhe und der Zufriedenheit. Es resultiert ein Zustand der Frustration und der Unvollständigkeit, der uns dazu drängt das Glück im Besitz, den materiellen Gütern, der Position in der Gesellschaft, im Renommee, der Anerkennung usw. zu suchen.
Abneigung (Zorn, Gewalttätigkeit, Hass):
Den erweckten Zustand ignorierend, beschuldigen wir die Anderen, haben eine Abneigung gegen alles was uns stört, und zeigen Zorn und Hass nach aussen.

Weil wir, meist ohne es zu wissen, den drei Giften folgen, unterhalten wir mit der Welt unaufrichtige Beziehungen, die unsere Entfaltung und die der Anderen verhindern.

Die Praxis des Buddhawegs besteht darin, mit Weisheit und Mitgefühl zu handeln. Das realisiert sich, wenn wir uns von den drei Giften befreien – der Ignoranz, der Gier, der Abneigung – und von allen toxischen Strömungen in uns.
Dann sind wir nicht mehr eingeschlossen in unseren egoistischen Gedanken und dadurch auch nicht mehr von den anderen Existenzen getrennt. Wir sehen die Anderen wie sie sind, mit ihren Freuden und mit ihrem Kummer. Wir empfinden das Bedürfnis, ihnen in ihrem Leiden zu helfen. Mitgefühl zu haben heisst, in Einheit mit dem Anderen zu sein. Der Fluss des Gebens fliesst dann natürlich und frei zwischen allen Wesen. Von den drei Giften befreit kommt die Tugend des Gebens von selbst. Dies ist charakteristisch für die Lebensweise Buddhas.

Gedichte

Folgen der Sendung Buddhistische Weisheiten (Sagesses Bouddhistes) auf France 2

  • Kanshoji, monastère zen dans le Périgord Vert
  • Quelle place et quel sens donner à la vie monacale ?
  • Comprehension du Bouddhisme par les occidentaux, difficultés et pièges.
  • La relation maître disciple
  • La résonance dans la voie du Bouddha
  • Le désir d’appropriation, sources de toutes les souffrances