Viele Menschen fragen sich was der Buddhismus eigentlich ist. Buddhismus ist ein Wort das im Westen eingeführt wurde – etwas sehr abstraktes. Man sollte besser vom Weg Buddhas sprechen – Buddha bedeutet der Erweckte, derjenige der erweckt ist. Man kann auch dem westlichen Geist entsprechend sagen, dass der Buddhismus die Religion der Erweckung ist. Was an erster Stelle steht, woran man nicht vorbeikommt, das ist die Erweckung – nicht das Wissen oder die Techniken.

Die Erweckung, das ist die Funktionsweise des Universums. Das Universum stützt sich weder auf Theorien noch auf Rezepte, es stützt sich auf das Geistige. Betrachten wir zum Beispiel ein kleines Kind, das gerade noch im Bauch seiner Mutter war. Dieses kleine Kind lernt in kürzester Zeit etwas Wundervolles: die Sprache. Es hat keinen Lehrer, man erklärt ihm nicht die Grammatik. Nur durch sich selbst lernt es zu sprechen, weil sein Geist frei von jedem Konzept ist, von jeder Vorstellung, von jeder Formatierung. Die Erweckung erlaubt es unser Leben auf die korrektest mögliche Art zu führen.

In der Überfülle des Wissens, der Techniken, der Werbebotschaften die unseren Geist beschäftigen, vor all diesen mehr oder minder wahren Informationen die man erhält ist man zumeist verloren: „Was soll ich tun? Was ist richtig?“ Es ist wichtig dem total offenen Geist einen Platz einzuräumen, dem Geist der alle Dinge unbewusst versteht. Es ist wichtig die Erweckung an die erste Stelle in unserem Leben zu stellen. Das Universum funktioniert in diesem Modus der Erweckung bereits seit ewigen Zeiten und es ist hierbei niemals in Schwierigkeiten gekommen.

Im Kloster ist alles darauf ausgerichtet um zu einem erweckten Leben zurückzufinden. Das heisst sich nicht verwirren zu lassen sich nicht den Kopf zu zerbrechen: „Was werde ich heute morgen essen? Was werde ich anziehen?“ Alles ist so organisiert, dass man sich vollständig der Erweckung widmen kann. Zu einer tiefen Kenntnis zu gelangen, die ich als die durchdringende Vision bezeichne – diese Vision, die uns verstehen lässt woher die Dinge kommen, und wohin sie in der Zeit und auch im Raum hintreiben. Am Ende sollen wir Vertrauen in den Zustand der Erweckung haben.

Den Glauben haben, das heisst zu praktizieren so wie wir es jetzt im Zazen tun: sich nicht mit den Gedanken beschäftigen die von selbst im Bewusstsein auftauchen und die von selbst wieder aus dem Bewusstsein verschwinden. Diesen erweckten Zustand beibehalten – die reine Existenz, die Existenz ohne Gedanken, die Existenz ohne Kommentar, ohne Interpretation, ohne Abwägungen – ohne die Realität mit unseren mentalen Fantasien zu ergänzen.

Den Kopf aufrecht über den Schultern tragen, den Kopf nicht nach vorne fallen lassen. Die Ohren sind in der Ebene der Schultern. Die Nasenspitze ist senkrecht über dem Nabel. Die Atmung kommt und geht frei, von selbst. Ihr tretet der Realität so wie sie ist gegenüber. Ihr macht die Erfahrung der Existenz so wie sie ist, gereinigt von allem Mentalen.

Wenn es eine mentale Aktivität gibt, dann verharrt nicht in ihr, lasst sie erscheinen und vergehen. Kehrt ohne Unterlass zu einem offenen Geist zurück. Das ist genauso wie mit der Atmung: Das Wichtigste ist dass die Lungenflügel sich von aller schlechten Luft befreien, so dass mit der Einatmung die frische Luft in unsere Lungen strömen kann. Genauso ist es mit dem Geist. Wir müssen alle Gedanken loslassen, so dass ohne Unterlass etwas Neues in unserem Geist erscheint. Das nennt man im Zen die Atmung des Geistes, die kosmische Atmung. Das ist das Wichtigste von allem.

Taiun JP Faure, Mittwoch 17. Oktober 2018, 6.00 Uhr Zazen

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