Am 21. Juli hatte das Kloster Kanshoji die Ehre Professor Bernard Faure zu empfangen. Bernard Faure ist Universitätsprofessor, der nachdem er in Cornell und Stanford in Kalifornien unterrichtet hat, aktuell Professor für die Geschichte der asiatischen Religionen an der Columbia Universität in New York ist. Renommierter Spezialist des Buddhismus, speziell des Chan/ Zen , ist er Autor zahlreicher auf französisch und englisch erschienener Bücher ( zuletzt : Les mille et une vies du Bouddha, Seuil, 21/09/2018).

Es war also ein großes Glück für die Sangha an diesem Vortrag teilnehmen zu können, den er dem Thema Achtsamkeit gewidmet hat, ein Thema, das gerade in Mode ist, und gerne auch polemisch verwendet wird.

Der Ausdruck Achtsamkeit ist eine annähernde Übersetzung es Ausdrucks « Mindfulness based stress reduction » (MBSR) – Stress Reduktion durch Achtsamkeit. Jon Kabat-Zinn ist Erfinder und Verbreiter dieser Achtsamkeitsmeditation. Nachdem er anfangs MBSR in der buddhistischen Tradition verortet hat, verwandt mit der Vipasana Meditation, hat Jon Kabat-Zinn MBSR dann von jedem religiösen Kontext und jedem Bezug zum Buddhismus losgelöst.

MBSR hat viel Beachtung und Beurteilung erfahren, teilweise lobend, teilweise sehr kritisch, die Bernard Faure in seinem Vortrag kommentiert hat. Sie hatte sehr überzeugende Resultate im klinischen Umfeld wo von zahlreichen Patienten deren psychische und physische Leiden gelindert wurden. Ausserhalb jeglichen medizinischen Kontextes ist sie auch ein schätzenswertes Hilfsmittel um die Achtsamkeit des Praktizierenden zu steigern, Achtsamkeit gegenüber dem Anderen sowie gegenüber sich selbst und der Umwelt.

Bei den Unterschieden zum Buddhismus verwies Bernard Faure auf die Abwesenheit einer ethischen Position und dem Fehlen jeglichen metaphysischen Kontextes bei MBSR. Andererseits, da wo die buddhistische Praxis anstrebt die Illusion des Ichs zu sehen und zu überwinden, schlägt MBSR vor das Ich zu verstärken und das persönliche Wohlbefinden anzustreben. Die am meisten zu kritisierenden Auswüchse beim MBSR hängen mit seinem Erfolg zusammen: Instrumentalisiert wird er in großen Firmen eingesetzt, um die Leistung der Mitarbeiter zu verbessern – in der Armee auch um die Konzentration der Eliteschützen zu verbessern. MBSR wird zum starken Verbündeten des Konsums. Mehr als 1000 Anwendungen werden beworben um in allen Alltagssituationen Einsatz zu finden. Dieser Auswuchs wird durch den Ausdruck McAchtsamkeit karikiert.

Nach einer Fragerunde hat Abt Taiun die Teilnehmer eingeladen ihre eigene Praxis im Lichte des Vorgetragenen zu betrachten. Er hat Professor Faure sehr herzlich gedankt und die Bedeutung eines befruchtenden Austauschs zwischen Gelehrten und Pratizierenden des Buddhismus unterstrichen.

Bernard Faure hat Kanshoji gedankt und versprochen wiederzukommen.

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