Wir leben zwischen zwei Welten, das ist unumgänglich: die Welt der Erscheinungen und die Welt dessen was die Dinge im Innersten wirklich sind und wie sie im Innersten wirklich funktionieren – der letztendlichen Realität. Ein sehr bekanntes Sprichwort sagt: Verlasst euch nicht auf die Erscheinungen, geht tiefer.

Buddha hat einen Sträfling akzeptiert und ordiniert in seiner Gemeinschaft, ein Krimineller der mehrere Jahrzehnte eingesperrt und angekettet war. Viele der engen Schüler waren entrüstet: „Wie kannst du diese Person akzeptieren? Hast du gesehen wie sie ist, wie sie redet?“ Buddha antwortete: „Aber sein Herz ist rein. Wenn sein Auftreten das eines Verdammten ist, dann ist das weil er die Ketten langezeit an seinen Füßen getragen hat. Aber heute ist er frei, sein Herz ist rein.“

Schleppt nicht die fehlerhaften Ansichten mit euch herum, die egoistischen Strategien, die ungerechtfertigten Anschuldigungen. Gelangt zu einem freien Geist. Haltet euch nicht mit oberflächlichen Ansichten auf, bei definierenden Wörtern, bei begleitenden Gedanken, bei Strategien die ihr entwickelt. Gebt all das auf. Wenn ihr Groll, Verachtung und Angst konserviert, verdunkelt sich am Ende euer Geist und ihr werdet krank. Es ist wichtig der Realität mit einem offenen Geist gegenüberzutreten, einem Geist der von jeglicher Verschmutzung gereinigt ist.

Wenn ihr euch an die Realität so wie sie ist anpassen wollt, dann müsst ihr selbst Mensch werden so wie der Mensch wirklich ist: Einen Geist zu haben der von jeder Idee des Ich und des Mein befreit ist, befreit von jeder Idee besser als Andere zu sein, unabhängig von den Anderen zu sein und zu tun was man möchte, ohne die Anderen zu berücksichtigen. So wie ihr seid, seid ihr Buddha, befreit von allem Aberglaube, aber vor allem von eurer Ignoranz.

Die Realität ist vergänglich und untereinander abhängig. Wenn ihr das ignoriert, dann lebt ihr fehlerhaft – im Leiden. Bleibt nicht auf dem Niveau der Erscheinungen steigt hinab in die Tiefen eures Seins, da wo das Bewusstsein völlig rein ist. Seht bei euch selbst wir ihr die Illusionen erzeugt, wie ihr euer Leiden erzeugt, indem ihr euch auf fehlerhafte Visionen stützt. Alles kommuniziert mit Allem. Es gibt nicht den einen Grund, es gibt eine Unendlichkeit von Gründen, von Ursachen und von Bedingungen. Also studiert, untersucht mit Exaktheit die Phänomene – so wie sie sind und wie sie erscheinen. Die Zenmeister sagen: studiert die Existenz mit Schärfe und versteht von da aus die Nicht-Existenz.

Vor dem Zazen hat mir jemand gesagt : „Ich entschuldige mich ich kann nicht zum Zazen kommen, da ich einen Motor zerlegen muss.“ Es ist einfacher einen Motor zu zerlegen als seinen Geist zu zerlegen, seine Illusionen dekonstruieren. Dies ist jedoch heutzutage extrem notwendig. Es ist ein Wort, das in Mode ist: Dekonstruieren. Dekonstruiert den alten Menschen, nehmt die Scheuklappen von den Augen, seht die Relität in ihrer Komplexität, und insbesondere in ihrer Dynamik: nicht erstarrt, sondern in Bewegung in ihrer Vergänglichkeit. Das ist sehr schwierig, aber es ist sehr wichtig.

Jeder von uns muss das tun. Niemand kann das an eurem Platz erledigen, niemand kann für euch ausatmen, niemand kann eure Exkremente für euch ausscheiden. In jedem Moment müssen wir zu einem neuen Geist zurückkehren, zu einer neuen Welt – von allem Schmutz befreit.

Taiun JP Faure, Oktober 2022

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